1. Februar 2020

Betriebs­bedingte Kündigung

Chinesische Sprachkenntnisse als Verschärfung des Stellenprofils

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten jahrelang erfolgreich als Executive Assistant (Assistentin der Geschäftsführung) in einer amerikanischen Firma – und Ihr direkter Vorgesetzter, der CEO der Firma, verlässt unfreiwillig die Firma. Und stellen Sie sich weiter vor, die Firma wirft Sie gleich mit raus – und zwar weil Sie kein Chinesisch sprechen.

Die Assistentin der Geschäftsführung soll chinesisch sprechen können

Absurde Vorstellung? Keineswegs. Genau das ist einer Mitarbeiterin passiert. In dem Prozess vor dem Arbeitsgericht Hamburg ging es hoch her: Die Firma fuhr die besten Anwälte aus einer Großkanzlei auf und berief sich vehement darauf, dass sie frei darüber entscheiden könne, welche Anforderungen an den Arbeitsplatz gestellt werden. Da die Gesellschafter der Firma Chinesen seien, die kein Englisch sprechen würden, müsse die Assistentin eben zukünftig diese Sprache perfekt beherrschen – und „Kulturmittlerin“ sein. Außerdem seien angeblich 65% ihrer Tätigkeiten wegen einer „Umorganisation“ entfallen. Die Firma könne schließlich völlig frei solche Entscheidungen treffen. – Und kam die Firma mit dieser Begründung durch?

Wie das Arbeitsgericht Hamburg den Fall beurteilte

Im Prozess stellte sich heraus, dass die Firma nicht plausibel erklären konnte, dass chinesische Sprachkenntnisse mehr als nur eine „wünschenswerte Voraussetzung“ für den Job seien. Denn in den Leitungsgremien der Firma („Board“), in dem neben den Gesellschaftern u.a. auch der neue Geschäftsführer – übrigens ein Deutscher ohne chinesische Sprachkenntnisse – sitzt, ist Arbeitssprache nicht nur Chinesisch, sondern auch Englisch. Und mit den Assistentinnen der Gesellschafter kann Englisch gesprochen werden. Außerdem sind Übersetzungstätigkeiten bislang mit professionellen Dolmetschern vorgenommen worden. Weshalb zukünftig eine Assistentin dies besser können soll als gelernte Simultandolmetscher, blieb im Dunkeln. Daher hat das Arbeitsgericht am 30.10.2019 die Kündigung für unwirksam erklärt.

Fazit:

Richtige Entscheidung! Ansonsten könnte zukünftig jeder Arbeitgeber das Anforderungsprofil nach Belieben so verschärfen, dass der im „Kündigungsfokus“ stehende Mitarbeiter keine Chance hat.